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Eine kleine, aber selbstbewusste Heimatzeitung

Das Traunsteiner Tagblatt feiert im Jahr 2005 sein 150-jähriges Bestehen

Klein aber fein: Dieses so oft gebrauchte Sprichwort trifft auf das »Traunsteiner Tagblatt« zu, das im Jahr 2005 ein Jubiläum feiert: Es wird 150 Jahre alt.

Am 1. Juli 1855 erschien mit dem »Traunsteiner Wochenblatt« die erste Zeitung in Traunstein. Zu Beginn nur ein vierseitiges Blättchen - das übrigens auf einer noch heute im Besitz des Verlags befindlichen Stangenpresse gedruckt wurde -, ging es mit der Zeitung rasch bergauf und bereits nach wenigen Monaten war es mit der wöchentlichen Erscheinung vorbei: Ab Jahresbeginn 1856 gab es das »Wochenblatt« bereits drei Mal pro Woche, der Name wurde jedoch beibehalten. Es sollte bis zum Jahr 2000 dauern, bis der Verlag den Titel änderte und den tatsächlichen Gegebenheiten anpasste: Seither heißt die Zeitung »Traunsteiner Tagblatt«, wobei der Name »Traunsteiner Wochenblatt« weiterhin im Untertitel geführt wird.

Der Verlag ist seit seiner Gründung durch den damaligen Buchdrucker und Lithographen Anton Miller - der übrigens 20 Jahre vor dem Erscheinen des ersten »Traunsteiner Wochenblatts« in Traunstein eine Druckerei gegründet hatte, bis zum heutigen Tag im Familienbesitz und wird bereits in der sechsten Generation geführt. Der derzeitige Verleger Thomas Miller hat den Verlag nach dem Tode seines Vaters im Jahr 2003 übernommen.

Das »Traunsteiner Tagblatt« gehört mit einer Auflage von rund 16 000 Exemplaren zu den kleineren Zeitungen. Es hat sich bis heute seine Eigenständigkeit bewahrt und unterhält eine eigene Vollredaktion. Außerdem beliefert der Verlag täglich zwei weitere Zeitungen mit fertigen Seiten: das Reichenhaller Tagblatt und den Berchtesgadener Anzeiger. Mit beiden Zeitungen besteht bereits seit Jahrzehnten eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit. So bieten die drei Verlagshäuser in Traunstein, Bad Reichenhall und Berchtesgaden auch einen gemeinsamen Kombinationstarif für Anzeigen an.

Blickt man auf die Geschichte des »Traunsteiner Tagblatts«, dann kann man durchaus von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Freilich auch mit Rückschlägen. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte dieser Zeitung ist das Dritte Reich. Doch nicht etwa, weil der Verlag eine besondere Nähe zum Naziregime gezeigt hätte, sondern vielmehr im Gegenteil: Nachdem sich der damalige Verleger Anton Miller nicht dem Druck der Machthaber gebeugt hatte - selbst so genannte »Schutzhaft« und vorübergehendes Erscheinungsverbot brachten ihn von seiner Haltung nicht ab –, wurde seine Zeitung von der Reichspressekammer im Jahr 1936 verboten und zwangsweise mit dem ebenfalls in Traunstein erschienenen - und übrigens wenig erfolgreichen - Nazi-Kampfblatt »Chiemgau-Bote« vereinigt. Die daraus entstandene »Traunsteiner Zeitung« wurde zwar weiterhin in der Druckerei Miller gedruckt - wohl deshalb, weil hier eine modernere Maschine stand als beim »Chiemgau-Boten« -, Anton Miller wurde jedoch jegliche journalistische Tätigkeit untersagt, ja sogar die Redaktionsräume im eigenen Haus durfte er nicht betreten.

Trotzdem bekam er nach dem Krieg keine Lizenz von den Amerikanern zur Herausgabe einer Zeitung. Erst nachdem der bayerische Landtag das neue Pressegesetz geschaffen und die Amerikaner den Lizenzzwang aufgehoben hatten, konnte Anton Miller ab September 1949 wieder sein »Traunsteiner Wochenblatt« herausgeben. Es nahm eine rasche Aufwärtsentwicklung, während der ebenfalls im Landkreis erscheinende »Südost-Kurier« in der Folge eine sinkende Auflage zu verzeichnen hatte. Das führte dazu, dass der »Südost-Kurier« Ende 1954 sein Erscheinen einstellte - übrigens ein Novum in der bayerischen Zeitungslandschaft: Der »Südost-Kurier« war die einzige Zeitung mit US-Lizenz in Bayern, die sich nicht etablieren konnte.

Mit dem »Traunsteiner Wochenblatt« ging es in den Folgejahren stets bergauf, kontinuierlich wurde die Auflage gesteigert. Stets legte man im Verlag auch großen Wert auf auf Eigenständigkeit, weshalb es nie ein Thema war, sich - von rein wirtschaftlichen Interessen geleitet - mit größeren Verlagen zusammenzuschließen. Anfang der 70er Jahre vereinbarte der Verlag Miller schließlich mit den Heimatzeitungen in Bad Reichenhall und in Berchtesgaden, dass diese aus Traunstein den »Mantel« bekommen.

In der Geschichte des »Traunsteiner Wochenblatts«/«Traunsteiner Tagblatts« bewiesen sämtliche Verleger stets genug Weitblick, um die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erkennen und stets möglichst auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein. So musterte man im Verlag Miller z. B. bereits in den 70er Jahren die Bleisetzmaschinen aus und führte den Fotosatz ein, während in vielen - auch bedeutend größeren Verlagshäusern - noch bis in die 80er Jahre hinein mit Blei gearbeitet wurde. In den 80er Jahren war der Verlag wiederum einer der ersten, der die elektronische Speicherung der von der Deutschen Presse-Agentur übermittelten Nachrichten einführte und damit die Aktualität der Zeitung enorm verbesserte. Da die von der dpa übernommenen Artikel nicht mehr eigens gesetzt werden mussten, verschob sich der Redaktionsschluss um über zwei Stunden nach hinten. Für eine so kleine Heimatzeitung damals ein enormer Zeitgewinn.

Seit einigen Jahren ist das »Traunsteiner Tagblatt« auch bunter geworden: Als der Verlag den drucktechnischen Bereich in den 90er Jahren an den Stadtrand verlegte, wurde dort auch eine Offset-Rotationsmaschine aufgestellt. Mit ihr ist es möglich, auf allen Seiten vierfarbig zu drucken.

Neben dem »Traunsteiner Tagblatt« gibt der Verlag Miller seit November 2004 auch ein wöchentlich erscheinendes Anzeigenblatt heraus, den »Traunsteiner Anzeigen-Kurier«. Dieser erscheint jeweils am Donnerstag in einer Auflage von rund 58 000 Exemplaren.